Sevi - Wer ist das überhaupt?

Sevi zog 2003 vom ländlichen Rüstorf in den Großstadtdschungel Linz, weil ihm zu Hause keiner mehr zuhören wollte, wenn er wieder Weltverschwörungsparanoia verbreitete. Den fünfdimensionalen Versuchungen des Lustzentrums nicht widerstehen könnend, verschwand er im Wörtersumpf, ehe er Ende 2008 den Rettungsanker Poetry Slam für sich entdeckte. Er fing an rumzureisen, den Slams nachzufahren und ist deshalb nach Deutschland ausgewandert, in der Hoffnung dort mehr Liebe zu erfahren. Es folgten zahlreiche Teilnahmen an Slams im Raum Nordrhein-Westfalen. Mittlerweile hat er laut MySlam.de knapp 3 Mal die Welt umrundet, hat an über 200 Slams in Deutschland, Schweiz, Holland, Italien und Österreich teilgenommen, ein paar davon gewinnen dürfen, wurde Wittener Stadtmeister 2010, hat in Puerto Rico ein Open Mic gerockt, war bei den österreichischen Meisterschaften 2009 in Linz und 2010 in Bozen jeweils unter den besten 10 und hat beim Ö-Slam 2011 in Dornbirn den 3.Platz belegt. Außerdem durfte er bei den deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2010 im Ruhrgebiet einen Halbfinaleinzug feiern. Außerdem mag er das Wort außerdem sehr gerne. Fußball, Bier, schlechte Witze und zotige Geschichten genauso. Und Kuscheln und Weltfrieden. Den ganz besonders.

Mittlerweile moderiert er die beiden von ihm veranstalteten Poetry Slams in Linz im Solaris und der Tabakfabrik.


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Poetry Slam Videos

"Niederlagen lassen uns wachsen" beim Wortwäsche Slam in Magdeburg am 15.02.2012



"Meine Kindheit in 5 Minuten - Das Leben zieht an mir vorbei"
am 07.10.2011 in Dornbirn (Vorrunde Ö-Slam)



Mein Viertelfinaltext vom Ö-Slam 2009 in Linz
"I was net"



"I waas ned - Version Hochdeutsch" aus Dessau vom 16.02.2012



"Die Hoffnung stirbt zuletzt" am 17.02.2012 in Halle



"Die Hoffnung stirbt zuletzt"
am 06.01.2011 in Klagenfurt im Carmecitas Corner



Mein Vorrundentext vom Poetry Slam in Düsseldorf im Zakk am 21.03.2010
"Und alle schauen einfach zu"



Mittwoch, 18. April 2012

Sevi's Rum Diary – Day 6

Das was ich durch die schmalen Schlitze meiner bier –und rumgetränkten Augen an Sonnenlicht durch die Vorhänge meines Zimmers erhasche, ist mir schon zu viel. Gut, ich wollte einen Entspannungsurlaub aka Abenteuerurlaub aka Selbstfindungsurlaub aka ok, ich wollte auch ein bisschen einen Partyurlaub. Die war wohl gestern etwas zu viel, was mich gestern nicht störte nach diesen vielen coolen Erlebnissen, aber heute bin ich doch ein klein wenig sauer auf mich. Aber lange lasse ich dieses Gefühl nicht in mir. Zum einen, weil es vergeudete Zeit wäre, zum anderen weil mich ein brachialer Kater mehr kratzt, als streichelt. Und zwar überall. Ungewaschen quäle ich meinen geschundenen Körper auf, verzichte auf normales Frühstück und robbe (so richtig bauchlings) von meiner Etage runter auf die Pooletage, deute Will an der Bar unmissverständlich in spanischer Gebärdensprache, dass ich Wasser und Bier brauche und plumpse völlig entkräftet ins Wasser.
Das Licht der Erlösung bereits sehend, bete ich ganz stark zu allen Glücksfeen dieser Erde, dass sie mir eine Baywatch gleiche Rettungsschwimmerin a la „Summer“ schicken. Anscheinend sind die gerade beim Frühstück oder pennen noch oder ich habe schon ein bisschen zu viel vom großen Glückskuchen dieser Welt aufgegessen, denn es macht sich niemand die Mühe mich zu retten, also rette ich mich selbst, in dem ich einfach meine Beine auf den Poolboden stelle und mich aufrichte. Das 1,10 m seichte Planschvergnügungsurinal (sehr viel größer wirkt es heute einfach nicht) scheint nicht sehr geeignet sein, um sich zu ertränken. Auf allen Vieren schleife ich mein schlaffes Fleisch mit aufgeschundenen Knien auf eine der Liegen in die pralle Vormittagssonne und Will zwinkert verständnisvoll, ob meines Gesichtsausdrucks, als er mir die Getränke serviert. Ob es eine „hard night“ war, fragt er und ob ich einen „magic wakeup drink“ möchte, versucht er mir zu entlocken. Arsch! Sieht doch genau, wie ich leide und dann noch so blöd fragen. Ich exe das Wasser, nippe am Bier und rufe ihm hinterher, dass ich unbedingt diesen Drink will.
Ok, ich gebs zu. Bis hierhin sind die ersten Ereignisse des Tages leicht übertrieben geschildert, aber ganz ehrlich…wer will denn folgendes lesen:

„Kater. Verbringe den ganzen Tag über am Pool. Relaxen und Lesen, Fernsehen. Nix El Yunque oder irgendwas. Lasse am Abend dann wieder den Zimmerservice kommen. Schlafe gut.“

Ist doch etwas knapp und nicht so prickelnd. Also gehe ich etwas tiefer, so ein bisschen unter meine knallharte anmutende Oberfläche und lasse an diesem Tag den sensiblen Sevi an die Macht, welcher sich erstmals in diesem Urlaub Gedanken macht, wie er denn so sein Leben nächstes Jahr gestalten und vor allem umgestalten will. Dies ist nämlich auch ein großer Grund und eigentlich meine heimliche Antriebsfeder gewesen, hierher zu fliegen. Mein doch teils etwas chaotisches Leben neu zu strukturieren und die Prioritäten neu zu setzen.
An diesem Tag versuche ich wirklich tief in mich rein zu hören und zu erfühlen, wo mich denn mein Pfad in nächster Zeit hinführen wird. Zu allererst stelle ich fest, dass alles zusammen, was ich im Moment mache, einfach nicht geht, ohne dass ich irgendwann zusammenklappe. Das große Thema kristallisiert sich ganz klar heraus. „DIE LEBENSQUALITÄT VERBESSERN!“
Soll heißen:

- Mehr Liebe, sprich, endlich eine vernünftige Beziehung führen und da war/bin ich am besten Weg dazu, nicke ich innerlich ab, grinse und schwelge in rosa Wattebausche, während ich an meine Prinzessin zu Hause denke (verzeih mir, aber, dass musste ich so kitschig formulieren ;-))
- Weniger bis kein Vereinsfußball, welcher klarerweise Trainingsanwesenheit erfordert, Zeit im Allgemeinen erfordert und vor allem viele Wochenenden einnimmt. Ich liebe Fußball, aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich mir meine sportlichen Aktivitäten selbst einteilen will und muss. Das ist absolut notwendig für mein neues Zeitmanagement.
- Weniger Arbeiten! Es muss wirklich reichen, in Normalarbeitszeit zurecht zu kommen und nicht ständig Überstunden schieben zu müssen.

Das waren so die groben Punkte, die mein zermartertes Gehirn und mein schwer arbeitendes Herz an diesem Nachmittag zur Welt brachten. Und damit war ich mehr als zufrieden. In der 2.Woche sollten noch kleine Punkte und Details folgen, aber fürs Erste habe ich mir damit eine gute Basis zum „An mir Weiterarbeiten“ geschaffen.
Tatsächliche widme ich mich an diesem Tag nur dem Buch, den Sportsendungen, der Sonne, ein paar erfrischenden Früchten und alkoholfreien Getränken, einen wieder überaus üppigen und sehr sehr schmackhaften Menü aus dem Room Service Booklet, schlemme genussvoll und schlafe sehr zufrieden und friedlich ein. Diese Nacht träume ich allerhand Schönes, welche traute Zweisamkeit, viel Glück und Gesundheit beinhaltet. Die Bilder sind sehr realistisch, mit vertrauten Menschen und alles scheint sich gut zu entwickeln. Da hat mir doch anscheinend glatt wer noch ein paar Krümel Glückskuchen übrig gelassen und ich bin guter Dinge, dass da noch mehr Stücke in Zukunft darauf warten, von mir verspeist zu werden.

Sonntag, 4. März 2012

Sevi's Rum Diary - Day 5

The Poet is turning around and around and around

Super erholt und wie ein frisch geficktes Eichkätzchen fühlend, entschlüpfe ich meinen Traumwelten. Total motiviert und alles Niederreißen wollend, springe ich aus dem Königsbettchen, pfeife mir Kaffee rein, adjustiere mich in Laufbekleidung leicht, schnappe mir etwas Wasser und begebe mich ins Fitnessstudio. Einen etwas intensiveren 40 Minuten Lauf mit höherem Tempo mute ich mir da zu und bin geschafft, aber total glücklich ihn ohne gröbere Schwierigkeiten absolviert zu haben. Ich bin richtig stolz, dass ich so konsequent mein mir auferlegtes Urlaubssportprogramm durchziehe, wenn man von 2 mal den Bier und Rum malträtierten Bewegungsapparat auf dem Laufband herum wuchten als konsequent bezeichnen mag.
Danach genieße ich die wohltuende Dusche, suche wieder den Pool auf, esse und trinke, lese und trinke, schlafe und trinke und philosophiere mir einen runter, was ich den so anstellen könnte, bis zum Abend, wenns in die Poetry Passage geht. Für einen Ausflug zum El Yunque ist es etwas zu spät, weils vom Hotel aus nur so Sammelgruppentouren gibt, welche aber ausschließlich von schon halb verwesten Menschen oder Asiaten in Anspruch genommen werden. Da spiel ich nicht mit. Außerdem wars auch schon zu spät und ein Auto selbst mieten, darauf hatte ich auch keinen Bock, also El Yunque wieder auf den nächsten Tag verschoben. Ich faules Aas, aber hey...“isch bin doch im Uuurlaub!“
Der „Ocean Park“ in Stadtteil Condado erweckte als nächstes meine Aufmerksamkeit. Allerdings ist der auch eine ganze Ecke weg, wenns auch cool wäre, dort ein bisschen abzuhängen, den Kitesurfern zu zusehen und sich an puertorikanischen Strandschönheiten zu ergötzen, entschließe ich mich trotzdem dazu, weiterhin der gepflegten Prokrastination zu fröhnen. Also weiter sonnen, lesen, saufen und den Strand auf unbestimmte Zeit verschieben. Heute scheint der Null Bock Tag zu sein und das obwohl ich mich mehr als glücklich fühle, aber eben auch deswegen, weil ich kein „Muss das und das und DAS machen“ Gefühl habe. Alles gut, alles super!
Gegen 17 Uhr und 1 Stunde vor dem beginnenden Sonnenuntergang mache ich mich auf den Weg in die Stadt um mir die beeindruckende Umgebung der Festung „El Morro“ und diese selbst mir anzusehen. Den leer anmutenden Straßen dieser wunderbaren Altstadt, die ich jetzt schon ganz ganz fest in mein Herz geschlossen habe, nach, tut sich scheinbar nicht so viel heute. Da lag ich aber gehörig schief gewickelt, als ich an der riesigen Grünfläche vor der Festung ankam. Hunderte Menschen tummelten sich, hatten Spaß, ließen Drachen steigen, picknickten und schossen Fotos. Die kräftige Brise Küstenwind mit leicht salziger Note, der Wolken verhangene Horizont und die dagegen ankämpfende dunkelrote karibische Sonne schafften eine wahrlich malerische Kulisse für diesen kleinen Ausflug. Die Digicam verrichtet Überstunden, weil ich die minütlich anderen Lichtverhältnisse und die damit verbundene Stimmungswandlung fest halten will. Ein Typ aus Boston aus meinem Hotel, der mir Stunden davor sehr verkatert an der Poolbar erzählt hat, dass er bislang keinen Erfolg bei den Mädels hatte und ob ich denn Tipps für ihn parat habe, damit er landen könnte, denn schließlich sähe ich ja so aus, als ob es mir leicht fallen würde, bei den temperamentvollen Frauen hier zu landen, lief an mir vorbei und grüßte mich grinsend und siegessicher...ich fand ihn reichlich unsympathisch und aufdringlich und seltsam, dass er mir das unterstellte. Ich sagte ihm, ich wisse, dass ich ein geiler Sack sei und alle extrem auf mich abfahren würden hier, weil ich den ultimativen Latinohüftschwung drauf habe und er das einfach auch ausprobieren soll und der nächst Besten, die in Reichweite seiner fleischigen Finger sei, einfach mal so richtig kräftig auf den Arsch langen soll. Die stehen hier so auf die direkte herablassende Art, weil eh alle im Herzen so kleine Minischlampen sind, besonders wenn kasige, hochrot leuchtende Amis das machen. Er dürfte meinen sarkastischen Unterton nicht richtig gedeutet haben und hat sich doch tatsächlich artig und euphorisch für den Tipp bedankt und mir noch 2 Bier spendiert. Naja...ich bin halt auch ein Nutte.
Aber in dem Moment, als ich die pulsierende treibende Menge rund um die Festung beobachtet habe, habe ich mich schlagartig alleine gefühlt und meine Freundin vermisst. Viele Momente gab es während der beiden Wochen, an denen ich mich sehr alleine gefühlt habe und noch mehr Augenblicke gab es, die ich einfach sehr sehr gerne mit ihr geteilt hätte. Zu zweit Dinge sehen und erleben und sich dann ewig austauschen und daran erinnern können, wäre sehr viel wert gewesen. Aber ich habe es mir nun mal so ausgesucht und mich trotzdem zufrieden gefühlt.
Am anderen Ende der Bucht habe ich die Bacardi-Rum Destillerie entdeckt und fleißig fotografiert, auch, weil sich gerade die Sonne hinter der Fabrik den Weg durch Regenwaldwasser schwangere dunkle Wolken bahnte und vom Hafen ein riesiges Kreuzfahrtschiff auslief. Ein besonders epischer Eindruck, welcher sich ganz fest in meiner Iris einbrannte und sich sein Plätzchen in meiner Hirnrinde suchte, um dort ewig zu verweilen.
Als der rote Feuerball dann begann den Horizont zu küssen, war auch für mich die Zeit gekommen meinen mit Endorphinschüben durchströmten Körper Richtung Open Mic treiben zu lassen.
In der Poets Passage angekommen, wurde ich von den Kellnern sofort wieder freundlich empfangen und bestellte mir Fischsandwiches, einen sehr schmackhaften Kaffee und als Dessert das Bier aus der örtlichen Brauerei.
An der Bar sitzt ein Typ, der sich nur schwer von seinem Tamagotchi (und ich meine damit ein Smartphone) lösen kann. Weil es anscheinend so üblich ist, quatscht auch er mich schräg von der Seite an und ich bin happy wieder einen vernünftigen Gequatschpartner zu haben. Er erklärt mir nach dem standardmäßigen „Hi, how are you doing?“ Gedöns, dass er der Verantwortliche für den Fremdbierimport in San Juan ist, sprich, ca. 70% des Einkaufs laufen über ihn. Kann man glauben, muss man nicht, alleine schon die Tatsache, dass er mir die abgefuckte Hunter Thompson Bar empfiehlt, in der ich schon war und noch eine Zweite, an der ich schon oft vorbei gelaufen bin, welche das auswahlfreudigste Bierrepertoire hat, zeigte mir, dass ich ihn mag und er sympathisch ist. Er bezahlt mir ein Bier und ist dann weg. Ich suche etwas verzweifelt nach Manolos Angesicht, erspähe ihn aber nirgends, was auch den restlichen Abend so bleiben wird. Die Moderation des Abends übernimmt eine, in weißem Engelsgewand eingekleidete und auch so wirkende junge Dame. 18 war die nicht, denke ich, aber wer weiß das schon so genau. Insgesamt melden sich 88 Vortragende für den Abend an und ich bin froh, dass ich einer der ersten bin, die auftreten dürfen. Ich erkläre dem gespannten Publikum, dass ich aus Österreich und auf Urlaub bin und sie sind entzückt. Dann erläutere ich noch, dass es einen massiven Unterschied zwischen dem sehr hart sich anhörenden deutschen Deutsch und dem so lieblichen verniedlichenden österreichischen Deutsch gibt. Dann trage ich eben einen Text in österreichischem Dialekt vor und einen in Hochdeutsch, Englisch gemischt. Die Menschen hören gespannt zu und sind begeistert. Ehrlich und Tatsächlich. Nicht wenige kommen danach zu mir und wollen mehr wissen, was ich so gequatscht hab und dass ihnen die Performance sehr gut gefallen hat. Eine Dame, die auch schon des Öfteren im Nuyorican Cafe in New York war, attestiert mir New York Styla! Fein, Fein. Ein älterer Herr, gebürtiger San Juan Bürger, sagt mir, er habe einige Passagen ganz gut verstanden, weil er deutsche Verwandte habe. Ein anderer sehr sehr sehr alter Mann kommt auf mich zu und spricht mich in 2.Weltkriegsdeutsch an, dass er eben gehört habe, dass da jemand ein deutsches Gedicht vorgetragen habe und er vor ca. 65 Jahren hier nach Puerto Rico gekommen sei und es vermisst hat, jemanden Deutsch sprechen zu hören und ihm die Gedichte sehr gut gefallen haben. Besonders die Passage wo der afrikanische Junge auf die Tretmine tritt und sich freiwillig sprengt. Ich versuche artig zu kommunizieren und bin froh, als der Gehstock gestützte wieder kehrt macht und sich seinem Bier widmet.
Im Großen und Ganzen ist es ein wirklich großartiger Abend. Spanisch und Englische Gedichte wechseln sich ab, Lyrik und Prosa ebenso, geschickt eingestreut werden die musikalischen Gäste des Abends, die da reichen von Singer/Songwritern mit sehr beklemmenden, aber eindrucksvollen traurigen Liedern, einem Trommler, einem grandiosen Sitarspieler und und und. Die jüngste Vortragende ist die 11 jährige Novita und der Älteste ein 89 Jähriger sehr lustiger Mann. Insgesamt dauert der Abend fünfeinhalb Stunden und wird nur 2 mal kurz unterbrochen für ein Dankeslied und dem einhergehenden 2 jährige Bestehen des Ladens und einmal um kurz Probesilvester zu feiern und auf ein Schlückchen anzustoßen. Ich schlückchend schon ne ganze Weile brav dahin und hab locker schon 6 oder 7 Biere intus. Auch wenns sehr anstrengend war allen Texten und Liedern gleichermaßen Aufmerksamkeit zu schenken, habe ich es erstaunlich gut zuwege gebracht und bin von irre tollen Eindrücken ummantelt. Es werden noch munter Kontaktdaten und E-Mailadressen getauscht, bevor es dann in die empfohlene Bar „La Taberna Lupolo“ oder so ähnlich geht. Die Bar ist entgegen manch anderen Bars sehr gut besucht, allerdings auch von vielen Touristen frequentiert. Als 1.Bier dort (das 12. oder so des Tages, fuck, eigentlich ist es wirklich viel mehr Beer Diary, denn Rum Diary) teste ich ein Einheimisches, dass ich bislang noch verschmäht hatte. Kurzum, es war gut. Danach bitte ich den Kellner mich doch zu überraschen und mir seine Empfehlung zu kredenzen. Während er in der Kühltruhe wühlt, bemerke ich, dass sich relativ wenige Frauen im Raum befinden und die einzigen Beiden, die gut aussehen, sich offensichtlich sehr innig lieb haben und küssen und streicheln und alles und dann auch bald mal gehen. Aus dem Augenwinkel beobachte ich, wie sich ein hübscher Puertorikaner langsam annähert und ich erinnere mich gelesen zu haben, dass San Juan eine sehr lebendige und offene Homosexuellenszene hat und sehr viele Pärchen ihren Urlaub hier verbringen. Dann fallen mir auch 2 sehr gut gekleidete Männer vom Londoner Flughafen wieder ein, welche in meiner Maschine saßen und auch nach San Juan weiter flogen, die anfänglich wie Businesspartner wirkten, aber dann so anschmiegsam sich mit ihren Schlafbrillen im Flugzeug in den Schlaf wiegten, dass diese wohl auch ihren verdienten Schmuseurlaub im Old Sheraton Hotel in San Juan sich genehmigten. Und dann sehe ich das Grinsen des Kerls, der sich mir nähert und dann wird mir bewusst, dass ich vielleicht in einem Gay-Club gelandet bin. Da mir der Barkeeper „sein“ Bier vor die Nase hält, verschwindet mein Gedankenkreisel schnell, ich nippe einen größeren Schluck und kotze mich fast an. Da bringt mir der Typ doch tatsächlich irgend so ein Ale-Bier Gemisch und nach 2 weiteren Versuchen vielleicht meinen Ekel zu überwinden, sage ich ihm, dass dies leider keine gute Empfehlung war, er blickt etwas verdutzt, nimmts zur Kenntnis, stellt mir das Gesöff nicht in Rechnung und ich bestelle ein Franziskaner Weißbier, um wieder normalen Biergeschmack in meiner Mundhöhle sich wohlfühlen zu lassen. Der sich anschleichend Interessierte wendet sich wieder ab, als ein anscheinend hübscheres Exemplar als ich die Bar betritt. Genussvoll beobachte ich das Treiben Bier schlürfend in der Bar und frage mich, warum mir der Bierimportheini diese Bude empfohlen hat und ob er dabei Hintergedanken hatte...
Noch immer nicht des Trinkens müde, schlendere ich zwar Richtung Taxistand, aber nicht mit dem Ziel nach Hause zu fahren, sondern noch irgendwo eine Absackerbar zu entdecken und mich endgültig ins Delirium zu schießen. Siehe da, so eine Art Irish Pub springt mir ins Auge. Auch dieses leuchtend grüne Schild ist mir schon Öfter aufgefallen, doch erst jetzt betrete ich den Schuppen zum Ersten mal. Er macht einen ausgelassenen Partyfaktor Eindruck mit rustikaler Holzinnenaustattung. Könnte man toll Coyote Ugly spielen, denk ich mir und bestelle ein Medalla und bekomme zwei zum Preis von einem, weil Happy Hour ist, erklärt mir die Servierkraft. Weil ich aber keine Kraft mehr für 2 Biere habe, sag ich ihm, er soll eines der Frau am anderen Ende der Bar hinstellen und mir am Besten noch einen Kurzen „Rum“ bringen. Als er mir wieder 2 von den Dingern herstellt und erklärt, dass die Happy Hour auf alle Getränke bezogen ist, ich ihn wieder anweise, den 2.Rum wieder ans andere Ende der Bar zu stellen, bin ich mir einen Moment nicht mehr sicher, ob es tatsächlich Happy Hour gibt oder mir meine Augen einen Streich spielen. Als aber auf einmal ein Frau vor mir steht und mich fragt, warum ich ihr denn ständig Getränke vor die Nase stellen lasse, verschwindet der Anflug des Zweifels schnell. Ich erkläre ihr in sehr sehr lallendem Englisch, dass ja Happy Hour ist und mir der verdammte Barkeeper alles doppelt bringt, obwohl ich das nicht will, weil ich einfach bis oben hin voll bin. Meine hilflose Ausrede amüsiert sie. Wir stoßen an, sie stellt mir noch ihre Freundinnen vor und erzählt mir, dass alle auf der Durchreise zu den Jungfraueninseln sind, weil sie dort leben. Ich finde, sie sehen alle sehr Britisch aus, was zwar nichts zur Sache tut, aber ich denke das halt. Nach dem Bier exe ich den Rum, 6 Sommerbesprosste Gesichter blicken mich ungläubig an und ich verabschiede mich indem ich über die Türschwelle stolpere und Richtung Taxis torkele. An die Heimfahrt erinnere ich mich nicht, ich weiß aber, dass ich nachts von Jungfrauen träume, welche um einen Sitarspieler tanzen. Ich sollte wirklich weniger trinken.

Dienstag, 7. Februar 2012

Sevi’s Rum Diary – Day 4

„Meine Fresse ist mein Schädel im Arsch!“ denke ich mir, als ich aufwache. Waren doch ein paar puertorikanische Biere zu viel gestern. Vielleicht sollte ich dieses ganze Tagebuch in Beer Diary umbenennen, weil ich, wie immer eigentlich, verhältnismäßig viel Bier und nur wenig Rum trinke. Gut, in den 2-4 Cocktails pro Tag dürften schon ein paar Spritzer Don Q drinnen sein, aber sonst fließt meist das göttliche Goldgetränk meinen Rachen hinunter.
Als ich so aus dem Fenster gucke, mich genüsslich am Sack kratze und die von tiefen dunklen Wolken verhangene Gegend meiner Iris zumute, bin ich etwas unzufrieden. Hat es sich doch bewahrheitet, dass San Juan auch einige Regentage im Dezember und Jänner hat. Es ist zwar noch trocken, aber lange werdens die guten schwebenden Wassermolekülansammlungen da oben am Wetterplafond nicht mehr aushalten und sich herrisch über die Stadt, das Hotel und mich ergießen. Wer mich und meine Festival –und Urlaubsvergangenheit kennt, weiß, dass es immer regnet und saukalt ist, wenn ich unterwegs bin. Selbst die Starbuckskaffeeselbstmachmaschine für Arme brabbelt, blubbert und zischt heute besonders laut im Hintergrund und tut auch ihre nervöse Stimmung kund.
Dieser olle „El Yunque“ Regenwald wird sich da am nächsten Tag was von mir anhören können, wenn ich ihn besuche und meine Meinung geige, was denn der Scheiß mit dem Arschwetter da soll! Der kann bei ihm zuhause so viel dahin regnen, wie er will, ist ja schließlich seine Aufgabe zu regnen, aber da so auf dicke Hose machen und einen Patzen Wolken durch die Gegend blasen und anderen den Tag vermiesen, das läuft nicht, mein Freund!
Zum frühen Nachmittag schleppe ich mich an die Poolbar, esse etwas, trinke abwechselnd Wasser und Bier und quatsche mit den Barkeepern Will Brennan und Javier. Beide sind ganz lässige Typen und spendieren mir im Laufe der Woche noch ein paar Gratis-Medallas. Will (geschätzte Mitte 40) sieht irgendeinem Schauspieler ziemlich ähnlich. Ich komm nicht drauf, aber mich lässt das Gefühl nicht los, dass er tatsächlich ein berühmter Schauspieler war/ist und nur inkognito im Winter als Barkeeper im Sheraton Hotel in San Juan arbeitet. Klingt doch realistisch.
Als es dann richtig mächtig tropisch zu stürmen und regnen beginnt, verlege ich mein Afterkater und Schädelwehzerstörtrinkgelage in die Hotellobby und dann auf mein Zimmer. Ich lese und schreibe ein bisschen, gucke fern, zupfe mir die Vorhaut zurecht und bestell mir was vom Zimmerservice. Irgendeinen fetten Fleischpatzen, der in sich gekringelt ist, mit Pommes und ein paar Dip-Saucen, einem Caesars Salad dazu, welcher leider ohne Dressing geliefert wird, einem dick mit Schoki und Karamell überzogenen Muffin-Vanilleeisklumpen, ein Desperados und 2 Wasser dazu. Macht so knappe 60 Dollar aus, ist es aber voll wert. Diese Mahlzeit liegt mir selbst nach 4 mal kacken während des Verzehrens noch so richtig schwer im Magen, ist aber trotzdem geil dekadent und gut gewesen.
Wie ein kleiner großer König fühlend, decke ich mich sorgfältig zu und schlummere abgekämpft, quer über das Kingsizebett verteilt, ein.

Montag, 23. Januar 2012

Sevi’s Rum Diary – Day 3

Christmas Day oder die volle Dröhnung!

Der Tag beginnt, wie überraschend, mit Aufwachen. Erstmals braue ich mir, mit der im Zimmer befindlichen Kaffeemaschine, einen Fair-Trade Starbucks Kaffee. Ist in so Plastik „Non Fair Trade“ Verpackungen verpackt. Irgendeine kolumbianische Arabica-Mischung. Während des Genuss’ meines persönlichem flüssigen schwarzen Goldes analysiere ich noch die Sinnhaftigkeit bzw. die Glaubwürdigkeit von Fair Trade Kaffee aus Kolumbien. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass da ein gütiger Mensch als Händler zu dem braven Kaffeebohnen pflückenden Bauern hingeht und sagt. „Siehst du, braver Bauer. Ich beute dich hier nicht aus, sondern gebe dir 2 Dollar für das Kilo Bohnen hier.“ Wenn man die Vergangenheit und die Geschichte des Landes kennt, kann man nicht so blind sein, zu glauben, dass nach dem Fall Escobar’s da jetzt heile Welt im Laden herrscht und tatsächlich politisch korrekt regiert und verwaltet wird. 80 Prozent des Kaffee -und Kokainhandels (ist im Prinzip ja das gleiche und geht Hand in Hand) sind immer noch in den Händen irgendwelcher Großverbrecher, Drogenhändlern und dergleichen. Da hat es für mich keinen Sinn einen höheren Preis für einen fair gehandelten Kaffee zu bezahlen, weil an der Spitze der Firma, die das hübsche bunte „Fair Trade“ Siegel vergibt, sowieso ein fettes Schwein (und ich möchte hier bewusst drauf hinweisen „fettes Schwein“ als Beleidigung zu verstehen) irgendeines Drogenkartells sitzt. Außerdem finde ich es eine massive Benachteiligung der sicher genauso emsig arbeitenden Kokabauern auf deren Plantagen. Da gibt’s sicher kein „Fair Trade“ Güteplakett auf dem Plastiksäcken, wenn man seinen Koksdealer des Vertrauens an der Straßenecke fragt, ob „das eh Fair-Trade Koks“ ist. Wirkt vermutlich ein klein wenig bescheuert. Und ist den gut wirtschaftenden Cousins und ehemaligen Partnern von Onkel Escobar ziemlich wurscht.
Meine Gedanken verflüchtigen sich mit dem Kaffeedampf des letzten Schluckes aus dem Pappbecher in die Atmosphäre und leiten mich zielsicher ins Fitnessstudio. Was für die Sommerfigur tun, Aufbautraining für den Linz-Marathon 2012 beginnen bzw. den Fitnessrückstand von meiner Verletzung im Herbst zuerst aufholen.
Ein lockerer, aber trotzdem schweiß treibender, weil fucking Air Condition not gscheid working is, 30 Minuten Lauf auf dem Band, mit ein paar Liegestütz, Sit-Ups und Hantelübungen danach, machen mich richtig glücklich und munter. Ich beschließe, öfter etwas für meinen Bierbauch und als Ausgleich für mein in der Sonne bratendes Gehirn zu tun. Nach der wohl tuenden Körperpflege, mache ich mir noch einen Sauna und 1-stündigen Body-Massage Termin im Wellness Bereich des Hotels für 17 Uhr aus und lege mich absolut zufrieden und richtig gut fühlend an die Poolbar, esse irgendeinen karibischen Salat mit Früchten, tratsche mit den Kellnern, sonne mich und lese etwas. Einfach perfekt.
Am späten Nachmittag tut die Sauna ihr Gutes noch dazu und die Massage ist ein Traum. Ich wanke nachher ziemlich betröppelt und schwindelig, aber mit einem fetten Grinser in der Visage von dannen. Nicht wegen eines „Happy Ends“. Das gibt’s dort nicht. Auch nicht, wegen der beträchtlichen Kosten des Angebots, welches nicht im Hotelpreis inbegriffen ist, sondern weils einfach eine extrem entspannende Körperbehandlung war.
Ich mache mich hübsch, also Poser-Outfit, sehe mir die ersten NBA-Partien dieser Saison bei ein paar Bieren in der Hotel-Bar an und mache mich dann auf ins Casino. 200 Dollar sind mein Verlustrahmen für den Abend sage ich mir. Schnell ist ein Black Jack Tisch gefunden und nach 3 Minuten sind die ersten 100 Dollar weg. Dann gibt’s einen für mich glücklichen Dealerwechsel und nach 1 Stunde habe ich ca. 350-400 Dollar in der Tasche, bin als gut im Plus. Ich konsumiere ein paar Biere, bin guter Laune und unterhalte mich köstlich mit einem am Tisch sitzenden gleichaltrigen Puertoricaner, der mit mir den Dealer abzieht. Sein Glück ist, dass ihn seine Daumen drückende Freundin hinter ihm, nach 100 Dollar Plus, dazu zwingt, vom Tisch zu gehen und das Geld zu wechseln. Mein Pech ist, dass ich sitzen bleibe und meine Sträne mit einer neuen Dealerin abreißt, ich beständig verliere, noch mal einen 50 Dollar Rettungsanker Move probiere und scheitere. Vernünftigerweise verlasse auch ich dann den toten Tisch, zähle meine Chips und sehe, dass ich immer noch 230 Dollar besitze, also leicht im Plus bin. Ich wechsle, gehe aufs Zimmer und bemerke, dass ich vergessen habe, meine am Tisch konsumierten Getränke zu bezahlen. Also schnapp ich mir wieder nen Hunni und stapfe stakkatoartig zurück ins, mich hämisch angrinsende, Portal des Verderbens, dem Paradis der Süchtigen. Ich erkläre dem Barkeeper in der Casinobar mein Problem, er zuckt verständnislos die Schultern und ich setze mich derweil an den vorigen BJ-Tisch und wechsle meinen Hunderter wieder. Auf einmal ist der Tischkeeper wieder da, stellt mir automatisch ein Bier vor die Nase und verschwindet wieder so schnell wie er erschienen ist, im Gedränge der, fast an der Verwesung grenzenden, Menschentraube von Pensionisten zwischen den zahlenmäßigen hoffnungslos unterlegenen Spielautomaten.
Mittlerweile saß ich alleine am Tisch und dass das ungünstig fürs Spielen von Black Jack ist, weiß jeder. So schnell konnte ich mein Bier gar nicht trinken, waren die 100 Dollar und weitere 50 nachgekaufte weg. Dann erblickte ich aus den Augenwinkeln den Schatten des flinken Tischkeepers, sprang auf und hechtete ihm nach. Knapp vor der Küchenschwingtüre passte ich ihn ab und erbat um die Rechnung und Bezahlung meiner Getränke am Tisch. Mit der lapidaren Antwort: „Sir, if you play on a table, the drinks are for free!“ kombiniert mit dem verwunderten und im tiefsten seiner Stirnfalten grinsenden Häme, überkam mich das Gefühl, ihn auf der Stelle zu erschlagen. Natürlich traf ihn keine Schuld, aber die Tatsache, dass ich nur wieder ins Casino zurück bin, weil ich schlechten Gewissens -und Anstandshalber meine Biere bezahlen wollte und deswegen noch mal 150 Dollar (insgesamt -120$) in den Sand gesetzt habe, weil ich zu dämlich war zu wissen, dass die Getränke an den Spieltischen bei den Amis im Casino um sonst sind, ließ mich doch etwas köcheln innerlich. Auch, dass mein sorgfältig gewähltes Zocker-Outfit, knallrotes Hemd und dezent gediegenes Sakko, völlig overdressed war, weils in den Hotelcasinos anscheinend genau keinen Dresscode gibt und die Typen da sogar mit Bermudahosen, Flip-Flops und Unterleibchen rumstehen, missfiel mir auf einmal. Und, dass ich entdeckt habe, warum die Poolarea so arm an jung gebliebenen Menschen, wie ich einer bin, ist, weil 90% der Hotelgäste mindestens schon die 12.Zähne oder 30 m² überschüssige Haut vorzuweisen haben. So viel abgehangenes Gammelfleisch hab ich zuletzt aufm Basar in Marakesh gesehen, mit dem Unterschied, dass das vor den Spielautomaten befindliche, Ohren hatte, warmes Blut durch die Krampfadern pumpte und sich noch bewegte.
Um meine Stimmung zu heben, hab ich mir einen Schluck Don Q Rum auf Ex gezogen, ein Bier hinterher geext, bin aufs Zimmer, hab mich umgezogen, etwas Legeres und bin mit dem Taxi in die Altstadt gefahren. Nachtlebenerkundungstour Teil 2!
Den angesagten Club Lazer wollte ich finden. Hab das aber die ganze Woche nicht auf die Reihe bekommen. Dann wollte ich Tony im Blessed Cafe besuchen, das aber geschlossen hatte. Nach einem kurzen Telefonat mit ihm haben wir beschlossen, dass aus dem Trip nach Culebra nichts wird, weil das Wetter scheiße wird am nächsten Tag und mir das Fajardo Inn Billigzimmer dann doch zu teuer war, weils kein Billigzimmer gegeben hätte.
Als Alternative suche ich das Nuyorican Cafe (ja, so eins gibt’s nicht nur in New York) auf, weils dort anscheinend jeden Abend Live-Musik gibt. Eins der wenigen Pubs, in denen das noch zu hören ist. Die Band gibt sich Mühe, Stimmung in den viertelvollen Laden zu bekommen, ist erfolgreich und mit der Zeit finden sich mehr und mehr Menschen Salsa tanzend vor der Bühne. Ich beobachte das bunte Treiben, wieder mit einem guten Gefühl und zufriedenem Gesichtsausdruck, aus dem Hintergrund und trinke 3 Biere. Mir gefällt die Ausgehkultur hier. Jeder tanzt mit jedem, Pärchen wechseln sich ab und alle können tanzen. Die einzigen die etwas verloren rumsitzen, sind Ami-Touristen und ein bleicher an einer Holzsäule stehender Österreicher (--> ME!).
Als die Band fertig ist und ich ausgetrunken habe, schlendere ich wieder beobachtend durch die engen Gassen Old San Juans, atme die warm-feuchte Luft tief ein und will mich einem Cobramäßig adjustierten Polizisten mitteilen und ihn nach dem Club Lazer fragen. Schon beim 3.Wort fällt er mir in den Satz und sagt mir auf Spanisch, dass er kein Englisch kann. (Oder einfach nicht sprechen will.) Dass ich ihm sage, dass ich kein Amerikaner, sondern ein süßes kleines Alpenwelpchen aus der Republik der Herminators und so bin und leider kein Spanisch spreche, quittiert er mit einer abweisenden Handgeste und bösem Blick. Nicht mal die Ösi-Nummer zieht bei denen. Naja.
Am Hauptplatz angekommen, schallt fetter Dancehall aus einer kioskähnlichen Bude. Natürlich werfe ich mich ins Getümmel, trinke ein 1,50 Dollar Dosenbier, tanze und bin happy. Dass das Publikum äußerst jung aussieht und wirkt, irritiert mich zwar ziemlich, aber meine Beine hält es nicht davon ab, wild im Rhythmus zu schwingen. Mit jung meine ich, dass die Mädchen zum Beispiel nicht älter als 16 aussehen und die Glitzersteinchen Ohrring tragenden Jungs nicht älter als 20. Informationshalber frage ich einen Barkeeper, wie das denn so aussieht hier mit dem Ausgehen und warum das so viele Kinder nach Mitternacht noch Alkohol trinken und feiern und ob das alles legal ist und so. Er erklärt mir, dass es ganz! strenge Kontrollen gibt und er garantieren kann, dass die alle mindestens 18 sind. Er verweist auch auf die beiden Türsteher, die tatsächlich jeden nach Waffen filzen und die Ausweise verlangen. (Haben die bei mir auch gemacht und über mein Führerscheinfoto gelacht) Na bumm, denke ich mir. Was tun die den Kiddies bloß ins Frühstück, damit die alle so jung aussehen? Oder wie gut können die Ausweise fälschen? Oder wie wurscht ist es eigentlich jedem? Und wie cool ist es, vor einem Kiosk, der Bier verkauft und in dem ca. 100 Menschen eine irre Party feiern, 2 Türsteher zu beschäftigen? Ich magaziniere meine weiten Hosentaschen mit 4 weiteren eisgekühlten Dosen um 1,50 auf, tanze mir ein durchnässtes Hemd und Höschen, lutsche an der 1.Dose rum bis der Eisklotz zu Bier zurück geschmolzen ist, leere die restlichen auch relativ schnell und wechsle die Lokalität.
Der nebenan liegende Club ist etwas gespitzter angelegt und der Schwerpunkt der Musik liegt im elektronischen Bereich. Alles was bekannt und tanzbar ist. Stylischer eingerichtet, muss man aber auch hier zuerst 2 ziemliche Henker davon überzeugen, dass man nichts Waffenscheinpflichtiges bei sich trägt. Die Crowd hier, sieht deutlich erwachsener aus, es ist mehr Platz, nicht so stickig, aber dadurch auch die Stimmung nicht so ausgelassen. War im Kiosk das Mann-Frau Verhältnis noch 80:20, so ists hier etwa ausgeglichen. Ich kreise meine Hüften und strecke meine Faust weitere 4 oder 5 Biere lang zu den Beats und lache über einen ziemlich fertigen, geltungsbedürftigen Typen, der sich, wild die Arme rudernd, tanzend und hüpfend durch die Menge kämpft und sich dabei von seinem Freund filmen lässt. Ca. 15 Mal. Hintereinander. Immer wieder.
Als ich dann ziemlich fett bin (endlich, möchte der geneigte Leser meinen), trete ich die Heimreise an und falle erschöpft, aber mit vielen Eindrücken im Genicksgepäck sitzend, ins Bett. Halbkoma. Schlafen.

Dienstag, 10. Januar 2012

Sevi’s Rum Diary – Day 2

(Heiliger Abend)
Schlauerweise hab ich mir den Wecker gestellt, sodass ich sehr zeitig (um ca. 10 Uhr) wach werde. In diesem geistigen Dämmerzustand, bedingt durch den Abend davor, entscheide ich mich spontan in der City zu frühstücken, weil das bestimmt toll ist irgendeine einheimische Speise in einem schmucken kleinen Cafe zu verschlingen und sicher auch billiger.
Nach Taxifahrt und 30 Minuten eifrigen Suchens nach einem passenden Schuppen, gab ich verzweifelt auf und hab mir ein Burger King Frühstücksmenü einverleibt. Nicht ein Cafe, Frühstückshaus oder sonst was hatte Platz für auch nur einen kleinen hungrigen Ösianer. Alles voll besetzt von sowieso viel zu beleibten Menschen (Sorry, soll keine Diskreditierung sein, sondern lediglich Enttäuschtheit weil ich, ich, ich etwas Vernünftiges essen wollte), die ruhig mal einen Morgensnack aussetzen könnten. Danach hab ich mir die San Juan Kathedrale und die San Francisco Church von innen angesehen. Tja, Kirchen eben. Sehen halt alle irgendwie gut aus. Das Witzige an den Beiden war, dass ein paar wirklich poppige Statuen und Bilder rum standen und hangen. So ein bisserl kitschig, aber ein schöner Kontrast. Im Hotel zurück angekommen wird mir klar, dass die 12 Dollar Hinfahrt und 14 Dollar Rückfahrt plus das Fast Food Frühstück dann doch teurer als das Frühstück im Hotel war. Überdenke danach meinen Sinn für die Rationalität bei ein paar Cocktails und Bieren am Pool, komme aber zu keinem Ergebnis. Am Nachmittag schlendere ich zu Fuß 2 Meilen zum Condado Beach um auch mal ein bisschen Meer –und Strandluft zu schnuppern. Der Stadtteil Condado selbst ist voll gepflastert mit großen teuren und etwas weniger großen und weniger teuren Hotels und Restaurants. Grundsätzlich hätte ich mich lieber hier niedergelassen, denke ich mir, weil alles belebter und lebendiger wirkt, als in der Ecke meiner Unterkunft beim Convention Center. Der Strand ist schön, der Sand ist super, geile Wellen, ein paar begabte Surfer, aber die hübsche Sonne verschwindet relativ schnell hinter den großen Betonklötzen. Da scheint das kurzfristig schwindende Leben zweier Kinder, die von der Strömung heftig gegen einen Felsen geklatscht und mit schwindenden Kräften um Hilfe schreiend sich daran festklammerten, von einem gar nicht baywatchhaften Rettungsschwimmer dann vor Angst bibbernd aus dem Wasser gezogen wurden, auf einmal trotzdem verschwindend klein zu werden, hinter diesen monströsen Türmen des Tourismus.
Bodyoptisch gibt’s nicht so viel zu sehen, bis auf 2 Werbehasen, die ich zuvor auf Segway’s für ein Restaurant werbend in Condado rum Fahren gesehen hab. Sie posieren in knappen Bikinis mit Santa Claus Mützen auf einem der aus dem Meer ragenden Felsen. Kann man so machen an Heilig Abend bei 28 Grad Celsius.
Ich bewege mich vergnügt wieder Richtung Hotel zurück, mach mich frisch, schmeiße mich in Schale und mit Schale meine ich: schöne Jean, schönes rotes Hemd mit feinem Sakko und weißen Remembar-Lacoste-Tretern. Esse in nahezu verlassenem Restaurant alleine und mit 3 verschiedenen mich bedienenden Kellnern ein leckeres Süppchen, ein großes Steak und trinken süffigen Rotwein. Danach schleppe ich mich mit vollem Wanst unter Mithilfe des Aufzugs in mein Zimmer, machs mir gemütlich, sehe fern und schlafe ein, weil ich müde bin. Heilig Abend mal anders, so ganz ohne dran zu denken.

Freitag, 30. Dezember 2011

Sevi's Rum Diary - Day 1

Gut erholt entschlummere ich meinen suessen karibischen Traeumen. Ich mache mich frisch und auf, auf ein ausgiebiges Fruehstueck. Die ueberaus attraktive blonde Platzanweiserin gibt mir einen feinen Tisch und ich entscheide mich fuer ein protein und fettreiches amerikanisches Fruehstueck. Bin ja schliesslich auch dummer Tourie und will diese Rolle auch gut spielen. Dass die Mahlzeit 25 Dollar kostet, erstaunt mich, aber beunruhigt mich nicht. Bin ja im Urlaub. Da haue ich mal 2 Wochen kraeftig auf die Kacke. Meine Reisebudgetplaene sind jetzt schon sinnlos und ad acta gelegt. Mit vollem Wanst erkunde ich das Hotel, um mich spaeter auch im Rum-Delirium (HAHA, auch hier darf wieder inbruenstig gelacht werden) zurecht zu finden. Am Pooldeck angekommen, laufe ich, mit einem Strawberry Mojito in der einen und einem Medalla-Bier in der anderen, 2 gebaerfreudigen Hueften nach, um einen guten Platz am Pool zu bekommen. Es ist 11.30 Uhr und nahezu niemand sonnenbeduerftig. Dies wundert mich stark, erkenne aber 2 Tage spaeter die Gruende dafuer.
Die beiden Hueften haben 2 Partnerhueften, welche die dann auch sofort in Beschlag nehmen und meinen geifernden Blick abschweifen lassen. An alle Moralapostel: Man wird doch noch gucken duerfen :-)
Nach weiteren rumhaltigen Cocktails und Bieren in regelmaessigem Wechsel und ein paar entspannenden Runden im eigentlich viel zu kleinen, aber mit schoener Aussicht gesegnetem Pool, mache ich mich am Nachmittag auf den Weg nach Old San Juan, der Altstadt.
Ich laufe in temporeichen Schritten in einer Stunde nahezu alle "wichtigen" und "sehenswerten" Plaetze, Gebaeude und Statuen ab, knipse Fotos und finde in einer abgeriegelten kleinen Bar ein schattiges Plaetzchen fuer weitere Mojitos und Biere. Waehrend meines Spaziergangs durch die engen pflastersteinbeschmueckten Strassen und Gaesschen der Altstadt, wunderte ich mich, dass die Menschen dort ueberhaupt Autos benutzen. Ausnahmslos alle Strassen waren zugestaut, die Gefaehrte haben sich gegenseitig angehupt und entnervt spanische Schimpfwoerter an die stolzen Haeupter geworfen. Zu Fuss war ich da so viel mobiler und besser dran.
Diese Gedanken paaren sich mit meiner Begeisterung fuer die Kneipenaustattung. Neben unzaehligen Bildern und Erinnerungsstuecken an die wirklich sexy aussehende Marilyn Monroe, haengt ein schoener Flatscreen, welcher gerade ein heisses Live Concert von Shakira spielt. Eyeyey war das Schweiss treibend mitanzusehen. An Hotness kaum zu ueberbieten. Die Mojitos pfeifen gut rein und so mache ich mich sehr relaxed und gut gelaunt auf eine zweite Erkundungstour. Ich entdecke einen groesseren Menschenauflauf vor der Old San Juan Kathedrale mit Musikkappelle, Militaeruniformen, Kanonen, Fernsehkameras und schoenen Menschen in schoenen Gewaendern. Dem Gemurmel der anderen Personen nach, ist da sowas wie ein Puerto-Ricanische Promihochzeit im Gange. Viele Old Mamas und Papas betreten das Gebaeude, als schliesslich das Brautpaar in einer Kutsche vorgefahren wird. Ich erkenne das Paerchen wieder, denn 2 Stunden zuvor habe ich sie beim Fotoshooting der Braut in einer der Strassen entdeckt, beobachtet und mich artig verhalten. Sie dankten mir sehr freundlich dafuer nicht wie ein Bekloppter ins Bild gesprungen zu sein, aber meine Herren...die Braut und deren Kleid waerens Wert gewesen sich wie ein Irrer aufzufueren. Uiuiuiuiuiuiuiui, war die vornehm huebsch anzusehen. Ich habe bis dato noch nicht heraus gefunden wessen Hochzeit ich da beobachten durfte, es war aber ein erhabener Moment. Besonders die Gewehr -und Kanonenschuesse waren sehr beeindruckend.
Einen weiteren Gute Laune Level hoeher trotte ich Richtung Cafe Poetrica, um mir dieses schmucke Kaffeehaeuschen genauer anzusehen. Die haben da guten puertorikanischen Kaffee und lokales 2 Blocks weiter gebrautes Bier. Lecker das alles. Einer der zuvorkommenden Kellner erzaehlt mir, dass es jeden Dienstag ein Open Mic da gibt und dass der MC gerade da an einem Tisch sitzt und stellt ihn mir vor. Manolo ist ein aufgeweckter, sehr beschaeftigter und cooler kleiner Buddy. Wir verstehen uns auf Anhieb und er erklaert mir, wie das am Dienstag immer so ablaeuft. 2 Bier spaeter haben wir auch schon Nummer ausgetauscht und verabreden uns auf eine Sauferei ein paar Tage spaeter. Geil, denk ich mir. Die Stadt scheint mich zu moegen. Es ist mittlerweile schon dunkel geworden und ich schlendere herum in einem Laden etwas Essbares zu ergattern.
Sehr gechillter Roots-Reggae dringt aus einem geoeffneten abgeranzten Schuppen namens "Blessed Cafe" in die schweissgedrangte Calle San Francisco heraus. Mit dem ersten Tune war ich schon gefangen und hab mir auch schon ein Bierchen bestellt. Der Kellner, Tony, ist ein wirklich cooler Dude und wir haben viel Spass miteinander. Er ist der Dritte an dem Tag, der mich fuer mein perfektes Englisch lobt und denkt ich sei aus Kanada. Von Australien ueber die Staaten und Kanada bekomme ich viele Stempel aufgedrueckt. Entweder ist mein wahrlich duerftig gesprochenes Englisch so schlecht, dass alle denken ich sei ein Ami oder es ist meine Trunkenheit oder ich passe mich wirklich gut an den Touriemob an. ;-)
Alle sind dann immer voll ueberrascht, dass ich aus Oesterreich bin und jeder hat irgendeine kleine Story von sich selbst und Oesterreich zu erzaehlen. Das meiste ist wahrscheinlich gelogen, aber alle sind mitteilungsbeduerftig und nett.
Ich erzaehle Tony, dass ich vorhabe, nach Culebra (eine kleinere Insel oestlich von Puerto Rico) zu fahren, um dort einen der 10 schoensten Straende der Welt (laut diversen Fachzeitschriften) mir anzusehen. Tony erzaehlt mir, dass er in Fajardo (die Stadt, von der die Boote abfahren) lebt und mich am 25. am Abend mitnehmen, mir ein guenstiges Zimmer im Fajardo Inn besorgen und mich mit einem Freund, der einen kleinen Bootstransferladen betreibt, um laecherlich 2 Dollar auf die Insel bringen kann. Sehr sehr geil, denke mich, alles laueft, wie es laufen muss. Ich nehme das Angebot dankend an, freue ich mich ueber zukuenftig gesparte 43 Dollar, welche die Faehre mehr gekostet haette und tanze ein bisschen zur Musik. Ich bin der einzige Gast und bekomme ein gutes jamaikanisches Chicken-Curry von Tony serviert. Er spendiert mir den hauseigen gemixten Cocktail, welcher auch ziemlich ins Hirn faehrt und wir labern noch rum. Weitere Gaeste betreten das Lokal. Unter anderem eine Lehrerin namens Lolita, welche mir offeriert, noch ein paar Bars zu zeigen und eine Dame von den Virgin Islands, die nur auf der Durchreise ist. Wir unterhalten uns alle ein bisschen, ich bezahle und lasse mich von Lolita noch in ein paar Bars schleppen, wo wir ueberall verschiedene Biere trinken.
Ein ziemlich abgefuckter Laden namens "El Batey" ringt mir am meisten Begeisterung ab. Dieser wird auch im Lonely Planet erwaehnt, als einer der Schuppen, welche Hunter Thompson begeistert haetten. Ich kann nur sagen: Yes, it is! Voll geschmierte Waende, aeussert dubiose Gestalten (z.B. ein langhaariger Typ mit nem taetowierten Hakenkreuz am Unterarm), crazy Musik und einer Kellnerin, deren die Freude und Freundlichkeit geradezu aus dem Gesicht springt...oder vor Jahrzehnten gesprungen ist. Ich bin der einzige nicht Einheimische und bin froh, wieder lebend da raus gekommen zu sein. Die haben mich nicht gerade freundlich angesehen. Der Oesi-Charme hat zwar etwas wett gemacht, aber immerhin hat mir niemand ins Bier gerotzt oder gepisst.
Zum Abschluss landen wir in einer kioskaehnlichen Absteige, wo die Menschen vor dem Schaufenster rumstehen und tanzen. Es ist der erste der besagten Bars, in denen das Bier tatsaechlich nur 2 und nicht 5 Dollar kostet. Wir quatschen mit ein paar Typen, die gegenueber wohnen, ich merke, dass ich einigermassen voll bin und entschliesse mich ins Hotel zurueck zu kehren, bevor ich noch in einer der Gossen einpenne. Ich verabschiede mich von allen, wackle mit Gluecksgefuehlen voller toller Erlebnisse zum Hauptplatz, falle in ein Taxi, stolpere in mein Hotelzimmer und schlafe schnarchend in meinem Bettchen fuer kleine Inselkoenige ein...

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Sevi's Rum Diary - Anreisetag

Mein Versuch ein Puerto Rico Tagebuch zu schreiben...mal kieken ob dat jet?!

Am Tag vor dem Abflug noch arbeiten, wobei...so viel hab ich dann eh nicht gemacht. Meistens um Kaffee gewuerfelt, um Adventkalender-Schoki gewuerfelt und Bloedsinn verzapft. Das kann ich am Besten. Also ab nach Hause, restliches Zeug gepackt und ab zum Bahnhof Richtung Muenchen. Der Zug ist fast leer, was gut ist fuer meine Stimmung. Ich bin muede vom traumhaften Abend mit Verena davor und noch unsicher, obs die richtige Entscheidung war, so viel Geld fuer den Urlaub auszugeben. Um 23.30 Uhr komme ich mit 3 Bier in der Birn' im flughafennahen Hotel in Muenchen-Ismaning an. Da ich um 5.15 Uhr schon wieder raus muss um meinen Flieger zu kriegen, hol ich mir noch nicht mal einen runter, weil ich so muede bin. Normalerweise onaniere ich immer in den Hotels in denen ich schlafe, wenn ich ein Einzelzimmer mein Eigen nennen darf und auf Reisen bin. Kacken geh ich auch immer. Hab sogar schon mal in der Senator's Lounge der Lufthansa am Frankfurter Airport ein gar nicht so schmackhaftes Linzer Toertchen ins Oertchen gepflanzt...ich schweife ab.

Ueberraschenderweise schlafe ich sehr ruhig und entspannt. Ungewoehnlich fuer mich vor Flugreisen. Da bin ich sonst immer von Natur aus leicht nervoes, wegen Verschlafen und Versaeumen und so. Ein Zeichen, dass ich wohl innerlich ausgeglichen und zufrieden bin. Durch den Schnee zerre ich mein Gepaeck Richtung S-Bahn und Flughafen. Ich fuehle mich frisch und munter.
Muenchen-London laeuft glatt. In Heathrow die Transfers auch. Das Ablugterminal ist ziemlich ueberfuellt und ich bekomme eine leise Vorstellung davon, wie's vor einem Jahr abgegangen sein muss, als alle Fluege ausgefallen sind. In den diversen Restaurants muss man sich anstellen um einen Platz zugewiesen zu bekommen und wuerde dann noch ca. 40 Minuten aufs Essen warten muessen. Darauf hab ich keinen Bock und hol mir schnell (20 Minuten Ansteh-Zeit) ein Sandwich in ner Imbissbude. Den Flughafenbediensteten nach ist das Wetter warum gut, sowohl in London als auch in New York, sodass alles planmaessig laufen sollte. Die Bediensteten, angefangen vom Busfahrer, Gepaeckfritzen, Sicherheitsfutzi, Infoschalterpueppi, Parfumverkaeuferin, Kellner(innen) und Sandwich-Koechinnen sind alle scheinbar indischer Abstammung. Entweder sind eigentlich die Briten eine indische Kolonie oder wahrscheinlicher und viel trauriger, sind sie sehr guenstiges Personal. Der Sitzplatzcomputer meint es gut mit mir. Lost mir einen Fluegelplatz neben einer 16-jaehrigen Franzoesin mit putzigen Hello Kitty Socken und einem Hals-Nackenkrausenschlafdings (wie heissen dieser Dinger eigentlich wirklich?)zu. Sie sieht gut aus, aber wir reden nicht viel miteinander. Ich spiele mich 8 Stunden lang mit dem im Sitz vor mir integrierten Bildschirm, sehe mir 2 Filme an, in Englisch und verstehe die meisten Dialoge sogar. Ein Film ist aber auch teilweise auf Deutsch. Es geht um Juden und Nazis. Die Nazi-Deutschen sind wie immer die Boesen. Im 2.Film laeuft eine mir bekannte und gut gefallende Frau staendig halbnackt durch die Gegend und killt alle boesen Kolumbianer. Ich schlafe die meiste Zeit. Mein Puerto Rico Buch und mein Spanisch Fuehrer ringen mir auch sehr viel Begeisterung ab. Dafuer ist die Flugzeugmusik klasse. Ich wechsle bestaendig zwischen einem Panfloeten-Elektro-Mix, Reggaeton Ding und traurigem Singer/Songwriter Sender. Pfeift! Leider sieht man beim Landeanflug nichts von der Skyline Manhattans. Da sind wohl die Typen drand schuld, die da vor 10 Jahren diese Tuerme, diese Geld-Zenter da umgeschubst haben. Notiere mir in meinem Buechlein, dass ich dem Herrn Al Kaida einen Beschwerdebrief deswegen schicken werde.

Die Einreisemodalitaeten und Wartezeiten sind nicht schlimm. Ich werde weder durchsucht, noch sonst irgendwie getritzt. Muss wohl an meiner intellektuell wirkenden bordeauxroten Brille liegen. Lediglich in London wollte so ein Sicherheitsmensch etwas genauer wissen, was ich denn so im Urlaub vorhabe und und mit meinem Leben so anfange. Ich muss mich sogar bei so einem Officer bedanken, denn sein freundlicher Hinweis, dass ich ohne Gepaeck in San Juan stehen werde, wenn ich mir nicht sofort meinen Koffer vom Band hole und neu einchecke. Da haben sie mir in Muenchen aber ein nettes bayrisches Problembaerchen aufgebunden, als sie meinten, das Gepaeck wird komplett durchgecheckt. Da mir Officer Park sehr ueberzeugend zu sein schien, schenkte ich ihm meinen Glauben und tat Befohlenes. Einen gebuehrenden Dank an dieser Stelle an den werten Herrn Park und seinen bereits geoeffneten Revolverhalfter.
Am Flughafen dann frohe Kunde. Mein Anschlussflug hat ne Stunde Verspaetung. Dass daraus 2,5 werden, stoerte nicht weiter. Eine Weihnachtsjazzband, ein kleiner Souveniershop und eine Sportsbar helfen mir die Wartezeit unterhaltend abzusitzen. Im Shop kaufe ich mir so einen Genickszutz und das Hunter Thomspon Buch "The Rum Diary". Auf Englisch (In Englisch...ich weiss es nicht besser *g*) Ich denke, ich werde hipsteroes und fuehle mich cosmopolitisch. Aber im Lonely Planet Buch (auch in Englisch) stand was darueber, deshalb muss ich es lesen. Gehts doch um San Juan um 1960 rum und ist der suesse Johann Depp auf dem Cover drauf. Nach Fear & Loathing, die naechste Thompson Verfilmung mit dem Johnny da. Sollte 2011 erschienen sein. Hab ich nicht mitbekommen, werd ihn aber mal Kinox.to'n.
Die Sportsbar zeigt 100 lustige Sport-Hoppalas aus den USA des Jahres 2011. Die sind wirklich lustig. Hab da ein paar Mal herzhaft lachen muessen. Das Bud schmeckte auch, war aber teuer. Im Flugzeug nach San Juan hab ich dann mit dem Halsgeraet geschlafen und Entspannungsmusik gehoert. Die selben Sender wie in der London-NY Maschine. "The Rum Diary" ist nicht kompliziert geschrieben und unterhaelt mich auch ein bisschen. Bis auf ein paar Slangausdruecke kann man alles sinngemaess im Gehirn uebersetzen. Die Woerter bekomme ich aber noch raus. Der Flug vergeht wie im Flug (HAHA - an dieser Stelle darf ob des fabuloesen Wortwitzes heftig gelacht werden) und bei Ankunft nieselts. Fein. Nach kurzer Diskussion und Wartezeit entschliesst sich ein Taxler doch dazu mich und einen Business Typen trotz zweier unterschiedlicher Zieler zu fahren und bringt mich sicher ins Hotel. Er scheisst zwar auf Verkehrsregeln und Speed Limits, aber das stoert mich nicht weiter. Nach 26 Stunden wach und einigen "Gut Angekommen" SMS's, falle ich in mein Kingsize Bett im aeussert geraeumigen geilen Zimmer. Mit etwas Phantasie koennte man sagen, ich besitze Meerblick...wenn man sich eben das aus Stahltraegern viertelfertig gebaute Etwas und die 2 Kilometer Land vor meinem Fenster weg denkt. Dass ich aber etagenmaessig gesehen nicht weit zum Dachpoolbereich, Fitness und Spa Center habe, erfreut mich ungemein und ich schlafe, wieder ungewixt, friedlich ein.